Das Schreiben – Behind the scenes … von Thyra

Ich möchte die Artikel „Hinter den Kulissen“ nutzen, um euch Dinge zu verraten, die ihr vermutlich noch nicht wusstet. Ich möchte auf Themen eingehen, die mich beschäftigen. Längst gestellte Fragen beantworten, auch wenn sie unangenehm sind. Man sagt immer, dass in jedem Buch ein wenig von uns selbst steckt. Das ist wahr. Doch ihr Leser wisst selten, was das ist. Ich bin bereit, euch zu sagen, wie viel Ich ihr in meinen Büchern findet und was mich während des Schreibens beschäftigt hat.

Als ich die Erstauflage von Thyra schrieb, damals noch „Thyra und die Hexenjäger“, ging mein Leben gerade in rasanter Fahrt bergab. Ich hatte frisch geheiratet und hätte der glücklichste Mensch der Welt sein müssen. Doch stattdessen zog ich mich zum Schreiben für das Buch in mein Arbeitszimmer zurück, distanzierte mich von meinem Mann. Ich tat das jeden Tag und blieb dort bis spät in die Nacht. Manchmal rollte ich mich sogar in meinem Sessel ein, um dort zu schlafen, anstatt mich neben ihn ins Bett zu legen. Ich hörte die Lieder von Lea Michele rauf und runter. Wer sie kennt, weiß, wie deprimierend sie sind. Ihr könnt euch ja mal „Battlefield“ anhören, das ist wirklich schön, macht mich aber noch heute ziemlich traurig. Ich möchte nicht näher auf die Gründe eingehen, aus denen es so kam und weshalb meine Ehe so schnell scheiterte, das geht dann doch etwas zu weit in mein Privatleben.

Das Schreiben an dem Buch fiel mir jedenfalls nicht leicht. Ich nutzte es lediglich als Flucht aus dem realen Leben, Leidenschaft empfand ich dafür nicht. Das tat ich zu dieser Zeit für nichts mehr. Nicht das Schreiben, den Job, den Mann. Ich war sehr unglücklich und stand nach sieben wundervollen Jahren vor einem Scherbenhaufen, der mich durcheinandergebracht, wütend und traurig gemacht hat.

In „Thyra“ stirbt ein liebenswerter, fröhlicher Charakter. Das ist in dem Relaunch so, das war aber auch schon in der ersten Auflage der Fall. Ich fand es furchtbar, das zu tun, denn für mich war dieser Charakter alles, was ich im realen Leben zu dieser Zeit vermisste. Was ich aufgab. Mein tolles und bequemes Leben, meine Liebe, mein Glück, meine Fröhlichkeit. Innerlich nahm ich mit dem Tod dieses Charakters bereits Abschied von einem langen Lebensabschnitt, bevor ich es im echten Leben tatsächlich wagte.

Ich habe bei vielen Gelegenheiten gesagt, dass ich die erste Auflage dieser Geschichte nicht mochte. Dass ich sie nie liebgewinnen konnte, sie selten beworben und mich schon im Schreibprozess hindurchgequält habe. Der Grund dafür war der, dass es mir zu der Zeit sehr schlecht ging, und ich dieses Buch stets mit diesem Gefühl verbunden habe.

Es hat lange gebraucht, bis ich die Dinge verarbeiten konnte. Und erst letztes Jahr hatte ich das Gefühl, dass ich mich mit diesem Buch auseinandersetzen kann, ohne wieder in dieses Loch zu fallen. Heute macht es mich nicht mehr traurig, reißt mir nicht mehr den Boden unter den Füßen weg. Heute erinnert es mich nur noch an etwas, das ich manchmal vermisse. Aber es zeigt mir inzwischen auch, dass nach jeder Nacht die Sonne wieder aufgeht. Dass ich ein starker Mensch bin, stärker, als ich je geglaubt hätte. Heute kenne ich mich besser, als je zuvor. Das Schreiben hat mich aufgefangen, wie schon so oft. Doch jedes Mal, wenn ich dieses eine Lied höre, sehe ich mich wieder in dem Sessel sitzen und spüre die Bauschmerzen, als würde es mir die Eingeweide zerreißen. 7 Jahre Glück. 7 Monate Unglück. Ziemlich beschissene Zahl diese 7 …