Das Schreiben – Der Vertriebsdschungel im Selfpublishing

Jeder, der im Selfpublishing veröffentlichen möchte, steht irgendwann unweigerlich vor der Frage: Wie stelle ich das an?

Angefangen hat alles für mich 2016 bei der Plattform www.Bookrix.de. Ich stieß durch Zufall darauf, weil ich nach Möglichkeiten suchte, meine Geschichte an Leser zu bringen. Ohne einen großen Schritt und ein wenig gebremst von Angst, dass man mich und meine Geschichte in der Luft zerreißen würde. Ich wollte erstmal reinschnuppern in diese große Welt, nur kurz in den Raum spähen. Nur wenige Monate später ging es plötzlich rasant weiter, und bevor ich wusste, was ich tue, war es schon geschehen: Mein Debüt war käuflich und ich nannte mich Autorin. Es ging weiter zu Amazon, Twentysix, Nova MD, BoD, Tolino … Möglichkeiten gibt es nämlich viele, ich möchte aber in diesem Artikel nur auf die eben genannten eingehen, weil ich sie selbst genutzt habe und entsprechend Erfahrungswerte sammeln konnte.

Bookrix ist in meinen Augen die perfekte Plattform, um anzufangen. Man muss nicht gleich veröffentlichen, kann seine Geschichten in kleinen Häppchen der Leserschaft präsentieren und sich Feedback holen. Wenn man dann soweit ist, kann man sein Ebook dort schließlich in alle Shops vertreiben. Die Abrechnung ist einfach, Aktionen und Preise kann man mit wenigen Klicks ändern und das Ebook wird für einen konvertiert (was praktisch ist, wenn man – wie ich – anfangs nicht mal genau wusste, was dieser ganze Humbug mit elektronischen Büchern überhaupt soll).

Schließlich ging es für mich zu Amazon (Kdp), denn Kindle unlimited bot mir ganz neue Möglichkeiten und eine viel größere Leserschaft. Das ist bis heute so. In meinen Augen bietet Amazon – sowohl in digital als auch in Print – die besten Konditionen. Ja, es ist ein teuflisches Unternehmen und unsere armen stationären Büchereien leiden unter der Konkurrenz … Aber hey, das sind die gewesen, die meine Bücher nicht wollten, weil ich „nur“ Selfpublisherin bin. Und ich unterstütze gerne die, die mich unterstützen. Ein Manko von Amazon – ein Unbestreitbares dazu – ist allerdings die eingeschränkte Verfügbarkeit; meine Bücher gibt es dann eben nur dort, in keinen anderen Shops. Das ist tatsächlich nicht so toll, obwohl ich dennoch über Amazon den größeren Teil meiner Einnahmen beziehe.

Um noch mehr Leser zu erreichen, probierte ich für die Printausgaben meiner Bücher Twentysix aus. Von dort aus gingen sie zumindest in alle Shops. Das Hochladen ist einfach, die Preiskalkulation leicht (allerdings sind die Buchpreise recht hoch, wenn man Marge haben möchte). Dort zu veröffentlichen kostet 39€, dafür bekommt man zwei Exemplare seines Buches nach Hause. Man ist vertraglich gebunden für ein Jahr. Jede Änderung am Buch kostet erneut 39€ und lässt den Vertrag neu beginnen. Rentiert hat es sich für mich nicht. Es wurden kaum mehr Bücher verkauft als über Kdp, und noch dazu waren Eigenexemplare dort deutlich teurer. Das gleiche Prinzip und die gleichen Probleme gab es bei BoD, nur dass dort die Veröffentlichung nur 19€ kostet, dafür bekommt man aber auch keine zwei Freiexemplare.

Von beidem nicht überzeugt, ging ich zurück zu Kdp, wo ich für kleines Geld Autorenexemplare ordern kann, die Verkäufe gut laufen und ich persönlich keinen Ärger mit der Druckqualität habe (nur 1x vorgekommen, aber da lief die Reklamierung schnell und einfach).

Ich erfuhr von Nova MD und wagte den Test mit einem meiner Bücher. Abwicklung war leicht, Service freundlich. Erster Nachteil, den ich schnell entdeckt habe: Ich musste in Vorkasse gehen, eine Auflage meines Buches selbst drucken lassen. Das wird schnell teuer. Diese schickt man dann an das Lager von Nova (die Lagerkosten für den zweijährigen Vertrag werden mit den Gutschriften verrechnet). Großer Vorteil: Mein Buch bekam eine deutsche ISBN, war für den Buchhandel verfügbar, und so bot die Mayersche mir an, mein Buch in ihren Läden auszustellen. Ein großer Moment für mich als Autorin, ich war unfassbar stolz. Meine Einnahmen waren zu Beginn hoch, doch das ließ nach. Schon nach einem Jahr hat es sich nicht mehr gelohnt. Also kündigte ich den Vertrag, um das Buch wieder selbst zu verlegen. Was mich dann vor kurzer Zeit etwas erstaunt hat: Nova schickte mir 3 Monate vor Ende meines Vertrages unangekündigt meinen Restbestand zu, das fand ich etwas unverschämt (weil so früh und ohne Absprache).

Als ich also vor einem Jahr gemerkt habe, dass ich auch bei Nova nicht glücklich werde, überlegte ich mir einen Plan B – sozusagen eine Kombination aus den Vorteilen verschiedener Vertriebe. Mein Buch sollte doch überall zu finden sein, dennoch wollte ich schnell und unkompliziert Änderungen vornehmen und günstig Eigenexemplare kaufen. Was also tun? Die Lösung gab es schnell. Meine Ebooks bot ich nur noch für die ersten 90 Tage bei KU an, danach gab ich sie zu Tolino, um alle Shops zu erreichen. Das bringt mir inzwischen fast das doppelte an Einnahmen bei meinen Ebooks. Zusätzlich zu den Taschenbüchern bei Kdp veröffentliche ich inzwischen gebundene Ausgaben über BoD. Von denen brauche ich keine Eigenexemplare und teurer sind sie sowieso (die Marge ist mir da dann nicht mehr so wichtig, weil die Veröffentlichung dort eher der Sichtbarkeit dient als dem Verkauf). Außerdem können Blogger über BoD gratis Rezensionsexemplare beziehen, was ich sehr praktisch finde. So ist mein Buch überall zu finden, meine Einnahmen stimmen und ich komme dennoch an bezahlbare Autorenexemplare.

Zusammengefasst zu dem Weg, den ich aktuell gehe:

Kdp bietet mir eine gute Marge, einfachen Upload, schnelle Änderungen, günstige Autorenexemplare. Die Druckqualität ist ok, allerdings nicht bahnbrechend. Die Lieferzeiten für eigene Exemplare sind kurz im Vergleich zu BoD (wobei sich aktuell wegen Corona alles etwas länger hinzieht, bei jedem Vertrieb). Verfügbar sind meine Bücher nur auf Amazon, die ISBN ist amerikanisch, somit gibt es keine Verfügbarkeit im deutschen Buchmarkt. KU bringt mir beim Start einen wesentlich höheren Ertrag, als das Buch direkt in alle Shops zu geben. Keine vertragliche Bindung, Änderungen und Löschung jederzeit möglich. Es erfolgt allerdings keine Lieferung von Pflichtexemplaren für die Bibliotheken, das muss man selbst machen.

BoD hat generell längere Lieferzeiten, wenn man eigene Bücher bestellt. Eigenexemplare sind jenseits von gut, viel zu teuer, da rentiert es sich deutlich mehr, wenn man seine Bücher einfach wie ein Leser über den Shop kauft. Das Buch ist in allen gängigen Onlineshops erhältlich, man bekommt eine deutsche ISBN, ist also für den deutschen Buchmarkt verfügbar und kann von Büchereien bestellt werden. Die Druckqualität ist sehr gut. Vertragliche Bindung von einem Jahr, jede Änderung kostet erneut 19€ und verlängert den Vertrag um ein weiteres Jahr. BoD kümmert sich um die Auslieferung von Pflichtexemplaren an die Deutsche Nationalbibliothek. Blogger können dort Rezensionsexemplare beziehen.

Tolino Media bringt mein Ebook in alle gängigen Shops. Die Marge ist gut, der Service schnell und kompetent. Änderungen und Upload sind schnell und einfach zu erledigen. Tolino übersendet das Ebook als Pflichtexemplar an die Deutsche Nationalbibliothek. Was mich in letzter Zeit aber vermehrt stört: Die Upload-Regeln verändern sich gefühlt alle drei Tage und beim Upload desselben Buches ergeben sich gerne innerhalb weniger Tage immer wieder neue „Änderungswünsche“ seitens Tolino. Dafür hat Tolino kürzlich seinen Markt erweitert und die Ebooks werden an noch mehr Shops als zuvor ausgeliefert.

Welcher Weg der richtige für einen ist, muss jeder Autor für sich selbst entscheiden. Mit der Zeit muss man seine Strategie vielleicht anpassen, weil immer wieder Neuerungen und Verbesserungen erfolgen. Es ist nichts in Stein gemeißelt, man muss sich immer auf dem Laufenden halten.